Ist das noch Selbstfürsorge oder schon Egoismus und Vermeidung?

Der Grat ist manchmal sehr schmal. Und manchmal, ganz bewusst benutzen wir Selbstfürsorge als Deckmantel für Egoismus und als Ausrede. Auch ich habe das getan.
Gleich zu Beginn: Ich habe in der Therapie Selbstfürsorge gelernt und finde das sehr wichtig! Körper und Seele etwas Gutes tun, für mich sorgen!
Das war ein völlig neues Konzept für mich und fühlte sich am Anfang sehr fremd an. Zur Selbstfürsorge zählen für mich nun auch, endlich mal „Nein“ sagen zu können und mir nicht jeden Schuh anzuziehen. Bei mir bleiben und bestimmte Dinge auch bei anderen Menschen lassen zu können.
Auch kleine Auszeiten, Kraft tanken – zählen für mich zur Selbstfürsorge, genau wie gesunde Ernährung und Meditation.

Wo bei Selbstfürsorge allerdings meine Grenze ist: Ich, ich, ich – nur ich.
Wenn meine Selbstfürsorge anderen Menschen Schaden zufügt, dann ist es an mir, zu reflektieren.
Auch wenn ich nur nehme, im Rahmen der Selbstfürsorge, ist das für mich falsch.

Worüber ich heute schreibe, ist Selbstfürsorge im Zusammenhang mit anderen Menschen.

Vielen Dank an Tollabea für dieses Bild! <33

Selbstfürsorge und Menschen, die mir wichtig sind:

Selbstfürsorge ist für mich auch: Zwischenmenschliche Beziehungen zu pflegen, meine Bedürfnisse zu kommunizieren, Grenzen zu setzen und das im Austausch mit der anderen Person. Respekt und Wertschätzung sind ein wichtiger Teil von Selbstfürsorge, es fühlt sich gut an!
Auszeiten sind ok und die braucht jeder Mensch. Mich allerdings komplett über Monate aus Freundschaften raus ziehen, für den anderen nicht mehr da sein, ist nicht gut. Diesen Fehler habe ich gemacht.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen Vermeidung und Selbstfürsorge!!

Selbstfürsorge und „toxische“ Menschen:

Es gibt so viele schlaue Sprüche, toxische Menschen aus dem Leben zu entfernen. Hiermit habe ich ein großes Problem. Wer ist toxisch? Sind wir nicht alle ein wenig toxisch und gut auf der anderen Seite? Ich meine damit jetzt nicht Menschen, die uns vorsätzlich Schaden zufügen und missbrauchen. Toxisch wird ja heute für fast alles benutzt.
Und dann gibt es viele Ratschläge, diese Menschen aus dem Leben zu entfernen. Egal wie es dem anderen damit geht und wie er sich fühlt. Ist ja nicht unsere Sache, nicht wahr? Wie fühlt sich das beim Lesen an? Möchtest du dieser „toxische“ Mensch sein?

Weiterlesen
Werbeanzeigen

Sich selbst verzeihen – Selbstmitgefühl, Akzeptanz und Veränderung

lina-trochez-377674-unsplash

Verzeihen und vergeben – den anderen – ist für mich schon ein Wert in meinem Leben.
Fehler und Verletzungen passieren, Enttäuschungen bleiben nicht aus. Absichtlich oder unabsichtlich: Niemand ist fehlerfrei und jeder Mensch hat schon jemanden verletzt. Jeder hat Dinge getan, die er bereut und rückgängig machen möchte. Und mit „jeder“ meine ich natürlich auch mich selbst.

Je näher mir der Mensch steht, der mich verletzt hat, desto eher kann ich verzeihen. Ich sehe den Menschen als Ganzes und nicht als den Fehler. Ich weiß ja, warum mancher Mensch so reagiert, kenne das Muster, aus dem die Verletzung entsteht. Der Fehler und die Verletzung machen aber den Menschen für mich nicht aus! Dieser Mensch ist so viel mehr!
Das heißt nicht, dass ich nicht wütend und traurig bin. Es bedeutet nicht, es tut nicht weh. Ich entscheide mich aber bewusst dafür, dem anderen zu verzeihen.

Nur einem Menschen kann ich nie verzeihen, einem Menschen schiebe ich immer die Schuld zu, vergebe nie, versöhne mich nicht und hadere. Ich hasse diesen Menschen für seine Fehler und die Verletzungen, die er anderen zufügt. Ich will, dass dieser Mensch perfekt ist und keine Fehler macht. Gegenüber diesem Menschen bin ich hart und unnachgiebig, für ihn habe ich nicht ein gutes Wort übrig: Dieser Mensch bin ich selbst. 
Weiterlesen

Verletzungen, Reflexion und Schuld – achtsame Veränderungen

contrast-1579550_960_720

Fakt ist: Jeder Mensch macht Fehler, jeder Mensch fügt anderen Verletzungen zu. Das ist menschlich. Ob wir es wollen oder nicht, es passiert. Jedem von uns, absichtlich oder unabsichtlich. Wir verletzen Menschen, die wir lieben. Wir werden von Menschen, die uns lieben verletzt. Wie wir damit umgehen, ist wichtig. Und damit umgehen kann nur eins bedeuten: Veränderung!

Auch unabsichtliche Verletzungen können großen Schaden anrichten. Da spielt es keine Rolle, ob ich vorsätzlich jemandem ein Messer in die Brust ramme, oder mit dem Messer versehentlich in die Person stolpere. Es tut weh!
Ich kann auch bestimmte Dinge gut meinen und sie verletzen Menschen trotzdem. Denn was den anderen verletzt, entscheidet und fühlt er und wird nicht durch meine Intention bestimmt.

Schuld. Schuld kann ein wichtiges Gefühl sein. Schuld, ich habe jemandem Schaden zugefügt, absichtlich oder nicht. Schuld in Empathie umwandeln: Sehen, was man angerichtet hat, den Schmerz des anderen fühlen und ihm das mitteilen.
Nicht um Entschuldigung oder Verzeihung bitten, damit irgendwas sofort wieder gut wird.
„Es tut mir leid. Ich sehe, ich habe dich verletzt!“ Kann immer nur der erste Schritt sein.

Vergebung und Verzeihen. Das ist etwas, was wir uns alle wünschen. Gerade bei unabsichtlichen Verletzungen wünschen wir uns: Sieh mich, in allem wie ich bin. Sieh nicht nur den Fehler! Nur ist das nicht immer möglich.
Was immer möglich ist und das Wichtigste: Die verdammte Verantwortung übernehmen! Hinsehen: Was habe ich getan? Was hat es ausgelöst? Was MUSS ich ändern, damit es nicht nochmal passiert?
Weiterlesen