Schlaflosigkeit und Alpträume – Die hässliche Fratze der Posttraumatischen Belastungsstörung

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Schlafmangel und Alpträume sind Symptome meiner Posttraumatischen Belastungsstörung. Da ich weiß, dass es vielen Menschen mit PTBS so geht, schreibe ich offen darüber. Es anderen nahe bringen – Schlafmangel klingt harmloser, als er ist und sich anfühlt.
Jeder kennt das „Ich habe schlecht geschlafen!“ Der Tag danach: Die Konzentration fehlt, man ist müde und gereizt.

Zieht sich das allerdings über Wochen oder Monate hin, wird es kritisch.
– Wortfindungsstörungen, Sprache und Kommunikation werden beeinträchtigt. Nicht immer bekomme ich das raus, was ich gerade sagen möchte. Manchmal auch nur noch ein hilfloses Stammeln.
– Konzentration ist ein Fremdwort
– Schwindel und Gleichgewichtsstörungen
– Frieren, egal bei welchen Temperaturen
– Kopfschmerzen, Übelkeit und verschwommenes Sehen
zittern und nicht mehr körperlich belastbar sein, alles ist anstrengend, jeder Handgriff
– totale Erschöpfung bei gleichzeitiger permanenter Alarmbereitschaft durch die Posttraumatische Belastungsstörung

Meine PTBS und die Depression werden durch den Schlafmangel verstärkt. Seit dem Trauma reagiere ich sowieso schreckhaft auf das kleinste Geräusch. Durch den Schlafmangel wird das schlimmer, bestärkt sich gegenseitig. Denn kleinste Geräusche holen mich auch aus dem Schlaf. Den ganzen Tag immer innerlich und instinktiv auf der Hut sein, Angst vor allem haben, bereit zu fliehen oder zu kämpfen wird durch Schlafmangel nicht weniger. Zur Ruhe kommen, entspannen – Fremdwörter. 
Wenn Schlaf kommt dann eher kurz, 2 bis 3 Stunden, mehr nicht. Tagsüber dann nimmt sich mein Körper dann einfach mal mittendrin 15 Minuten. Irgendwo hin gesetzt und zack eingeschlafen.
Erholsamen Schlaf aber gibt es für mich nicht mehr.
Und selbst in den 2 bis 3 Stunden, die ich nachts noch schlafen kann, verfolgen mich Alpträume. Das Trauma, die Ereignisse holen mich ein und sie fühlen sich verdammt real an. Mit Herzrasen, orientierungslos  und mit Todesangst aufwachen, unmöglich wieder zurück in den Schlaf zu finden.
Manchmal bin ich zu sehr unter Anspannung und kann deswegen nicht einschlafen oder durchschlafen. Die Angst ist eben mein ständiger Begleiter. Oft fühle ich mich nicht mehr sicher und schlafe deswegen nicht ein. Im Schlaf bin ich hilflos! Seit dem Trauma fühle ich mich hilflos. Nicht einschlafen, wach bleiben, auf der Hut sein! Diese Signale sendet mein Gehirn meinem Körper. Wie fühlte sich das noch mal an: friedlich und müde die Augen schließen? Was ist Geborgenheit? Wie ist das, sich sicher genug zu fühlen, um zu schlafen? Wie war das noch mal keine Angst zu haben, nachts dieses furchtbare Trauma wieder zu erleben? 
Nach kurzen Schlafphasen wache ich auf und meine Beine und mein Kiefer tun weh. Das Gesicht fühlt sich an wie nach mehreren Runden auf die Fresse mit einem Preisboxer. Anspannung, permanent. Offensichtlich war ich auf der Flucht. Selbst im Schlaf renne ich noch weg, vor etwas, was vor Monaten passiert ist. 

Tagsüber dann noch trotzdem zu funktionieren, obwohl mich auch hier das Trauma auf Schritt und Tritt verfolgt, kostet unmenschliche Anstrengung und Kraft. Nie war mir der Begriff „walking dead“ näher als jetzt. Wie lange kann ein Mensch das ertragen? Ich weiß es nicht, ich werde es sehen.

Ich wünschte ich könnte die Zeit zurückdrehen, zurück zu DAVOR. Es bleibt nur einfach weiter und weiter. Die Hoffnung auf Schlaf oder ein normales Leben habe ich allerdings aufgegeben. Ich glaube nicht daran, dass ich irgendwann wieder zur Ruhe kommen kann.

 

Photo by Daniel Jensen on Unsplash

  1. Danke, dass du das Thema so ausführlich und nachfühlbar beschreibst. Es ist – so hatte ich es in meinen schlaflosen Zeiten wahrgenommen – für andere kaum nachvollziehbar, wie anstrengend diese Dauermüdigkeit ist. Wie dünnhäutig sie macht.
    Ich kenne, was du schreibst, so gut – zum Glück ist es aktuell diesbezüglich besser, da ich ‚nicht funktionieren‘ muss. (Die andern Baustellen sind aber ja auch noch …)

    • Danke. PTBS ist für andere Menschen eh nicht nachvollziehbar. Und Schlafmangel verbinden die meisten ja mit „mal weniger/ schlecht schlafen“. Die drastischen Auswirkungen sind nur für uns real. Man sieht es uns ja auch nicht unbedingt an. Ich wünsche dir viel Kraft.

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