PTBS – Die unwirkliche Diagnose und doch Realität

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Gleich zu Beginn: Dies ist kein Fachtext, ich gehe hier nicht auf die unterschiedlichen Arten und Ursachen von Trauma ein. Vielleicht in einem anderen Artikel. Dafür fehlt mir gerade der Kopf und die Kraft.

PTBS / PTSD kannte ich bis jetzt nur aus Filmen und Büchern. Soldaten, die aus dem Krieg heimkehrten und dann aufgrund des Horrors eine Posttraumatische Belastungsstörung haben. Und genau das ist Teil des Stigmas. Viele Menschen können es sich nicht vorstellen, dass Traumata  und die Folge PTBS auch andere Ursachen haben können. (höhere Gewalt, Naturkatastrophen, Unfälle etc., man made Trauma von Menschen verursachte Traumata durch zb. seelische und körperliche Gewalt)

Jetzt weiß ich es besser, weil ich diese Diagnose selbst habe. Und mit Diagnose meine ich:
Ich lebe damit, jeden Tag. Und an dieser Stelle: Niemand sucht sich das aus, niemand! Ich bin nicht eines Tages aufgewacht, unter einem Apfelbaum durchgelaufen und da fiel ein Trauma vor meine Füße.
Ich habe auch nicht gedacht: Wie wundervoll wäre es denn Dissoziationen zu erleben, Flashbacks, Ekelgefühle vor meinem Körper und Schuldgefühle, die mich in die Knie zwingen. Ich fand auch die Idee nicht toll permanent mit Alpträumen aufzuwachen, oder überhaupt nicht mehr schlafen zu können!
Niemand will gezwungen sein, das Trauma / die traumatischen Erlebnisse wieder und wieder zu durchleben, getriggert durch das kleinste Geräusch, einen Geruch, ein Wort, ein Gefühl oder einen Gedanken. All dies genügt und man ist wieder da, wo man nie mehr sein wollte.
Keine Umarmungen mehr annehmen können, von niemandem. Am besten bleiben alle Menschen auf Abstand! Konversationen meiden, weil manche Worte einfach Trigger sind und das Gehirn in Kampf-Flucht Modus umschaltet. Das Vibrieren eines Telefons hören und man möchte am liebsten in Deckung springen oder sich zusammenrollen und vor der Gefahr in Sicherheit bringen. Und so weiter und so weiter.

Jeden Tag, den ganzen Tag immer unter Anspannung sein, nicht zur Ruhe kommen können. Angst und Panik durchleben, überall Gefahren wittern und niemandem mehr vertrauen können. Erholsamer Schlaf? Das gehört der Vergangenheit an.
Trotzdem funktionieren müssen und das kostet enorm viel Kraft.

“Unlike other forms of psychological disorders, the core issue in trauma is reality.”
Bessel A. van der Kolk

„PTSD is a whole-body tragedy, an integral human event of enormous proportions with massive repercussions.”
Susan Pease Banitt

„Kannst du es nicht einfach vergessen?“ PTBS ist nicht in der Vergangenheit leben, die Vergangenheit lebt in einem weiter. Intrusionen – Gedanken, Gefühle, Erinnerungen – alles was ich nicht mehr erleben will, drängt sich mir auf. Das Trauma wieder und wieder erleben und es fühlt sich verdammt real an. So real, beängstigend und erschreckend, dass Dissoziationen für das Gehirn manchmal der einzige Ausweg sind.

PTBS / PTSD kann viele Ursachen haben, die Traumata sind unterschiedlich, so wie jeder Mensch es ist und die Auswirkungen sind es auch. Ja, es gibt Hilfe und Therapien. Am Ende begleitet dich das aber vielleicht dein ganzes Leben und der Weg dahin stabil zu sein, ist weit und lang.
Ich habe Hochachtung vor allen Menschen, die damit leben (müssen), ihr seid alle Helden.  Und ich wünsche JEDEM der das nicht kennt, dass ihm diese Hölle erspart bleibt.

Dieses Video erklärt es ziemlich auf den Punkt, was ein Trauma im Gehirn auslöst und die Folgen.
PTSD has been called “the hidden wound” because it comes without outward physical signs. But even if it’s an invisible disorder, it doesn’t have to be a silent one.“

The psychology of post-traumatic stress disorder

Warum ich darüber schreibe? Mir wurde das angeraten, als Teil meiner Therapie. Auch offen damit umgehen, die Scham überwinden. Weil es unfassbar ist und unwirklich, genau wie Ursache des Traumas. Ich hoffe sehr, dass ich auch anderen Menschen damit helfen kann – es besser zu verstehen und damit umzugehen.

    • Ich habe selbst nicht so viele Erfahrungsberichte gefunden. Die Auswirkungen sind ja auch für jeden Betroffenen anders bzw. unterschiedlich ausgeprägt. Wir wissen aber, wovon wir reden. Außenstehende erschreckt das. Meine Freundin hat mich im Schock und in Dissoziation erlebt und bis dahin hat sie das alles nicht richtig nachvollziehen können. Ab diesem Punkt immer mehr. Sie hat sich belesen und dafür bin ich dankbar.

  1. Als „Unwissende“ kann ich nur danken für die Offenheit und deine Worte!
    Ich bekomme eine Ahnung davon, was es bedeutet und ein besseres Verständnis. Wer die Situation nicht kennt, kann nur durch Beiträge wie deinen Sensibilisiert werden für ein Leben mit Trauma! Danke nochmal, dass du meinen Horizont erweiterst auf deine ganz eigene, sachliche, klare und doch gefühlvolle Art!! Ich wünsche dir und allen, die ähnliches erleiden alle Kraft der Welt!!!

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