Eine bessere Schule aus unserer Sicht – Auch wir Schüler möchten zu Wort kommen

Eine bessere Schule aus unserer Sicht – Auch wir Schüler möchten zu Wort kommen

Als ich meinen Söhnen (18 und 12) erzählt habe, dass ich einen Artikel für den diesjährigen scoyo Blog Award zum Thema „Nachhilfe & Förderung: Was hilft Kindern wirklich?“ schreiben werde, kamen sofort die Fragen: Und was ist mit uns? Werden wir nicht gefragt, was wir denken und wollen? Interessiert Euch nicht, was wir an der Schule nicht gut finden und was uns helfen würde? Richtig! Schon im Aufruf zum Award wird die wichtigste Zielgruppe selbst nicht angesprochen: die Kinder und Jugendlichen. 

Also hier, getippt von der Mutter, erzählt von den Kindern:

Die Sicht des jungen Erwachsenen, 18 Jahre (MSA Schulabschluss bereits in der Tasche)

Was ich an der Schule gehasst habe:

„Besonders der zu frühe Schulbeginn hat mir zu schaffen gemacht: Ich war zu müde und antriebslos und habe in der ersten Stunde fast nie etwas mitbekommen. Klassenarbeiten in der 1. Stunde schreiben, fiel mir richtig schwer. Übrigens die 0. Stunde war besonders beschissen. Sorry für meine Wortwahl.
Der Großteil meiner Lehrer war zu streng. Sie waren keine Pädagogen, sondern eher vielleicht Experten auf ihrem Gebiet und hatten keinen Bezug zu uns Schülern. Im Unterricht hätte auch ein Roboter vor uns stehen können, sie waren nicht menschlich. Die Lehrer standen vor der Klasse und haben ihr Programm durchgezogen. Es gab keine ausführlichen Erklärungen auf Rückfragen, der Unterricht war mehr wie ein Vortrag strukturiert und das bereits in der Unterstufe vom Gymnasium.
Die meisten Lehrer hatten ihre Lieblinge und es wurde danach benotet. Vor allem in Kunst und Musik werden Noten sehr subjektiv vergeben und dadurch habe ich die Lust an diesen Fächern komplett verloren.

PS: Es gab auch gute Lehrer und das waren die, die humorvoll und motivierend waren. Gute Lehrer konnten Inhalte wirklich übermitteln, sind auf uns eingegangen. Und ja auch die, die den Unterricht früher beendet haben, fand ich toll. 😉

Was fehlte mir in der weiterführenden Schule?

Die Vorbereitung auf das richtige Leben: Bewerbungen schreiben, auf Vorstellungsgespräche vorbereiten, Inhalte zu Steuern, Versicherung und Krankenkassen. Eben alles, was auf einen Menschen im richtigen ‚erwachsenen Leben‘ zukommt, wenn man die Schule beendet. Und nicht Dinge wie: Gedichtanalysen in verschiedenen Sprachen und welchen Takt Beethovens 9. hat. Lebensnah lernen! Hier werden jetzt sicher viele Leser sagen: Das ist Aufgabe der Eltern! Aber warum verbringe ich dann den größten Teil des Tages in der Schule?
Insgesamt empfinde ich viele schulische Inhalte als zu viel  und unnützes eingetrichtertes Wissen und das in 12 Schuljahre gepresst. (Gymnasium Berlin)

Die Schulzeit zu verlängern würde weniger Hausaufgaben, mehr Zeit zum Aufatmen und weniger Druck für uns Schüler bedeuten.
Dadurch hätten wir mehr Lust, Spaß und Interesse am Lernen. Auch die Anzahl von Tests und Klausuren würde sich verringern.

Unsere Schulen müssten viel besser ausgestattet werden. An Equipment fehlte mir: mehr interaktive Whiteboards für besseren und anschaulicheren Unterricht (Grafiken aus dem Internet). Auch ein iPpad oder Laptop für jeden Schüler wären schön.

Besseres Essen – mehr Auswahl, gesünder und vor allem gratis Wasser für die Schüler! Alle predigen immer, dass trinken so wichtig ist. Ein Schulhof als Erholungsoase mit mehr Sitzgelegenheiten und Rückzugsorte, um in den Pausen zur Ruhe zu kommen, wären ideal zum Lernen.

Was mir sehr wichtig ist: Sind alle Lehrer überhaupt für den Job gemacht und geeignet? Ich denke, wir brauchen mehr richtige Pädagogen und weniger reine Wissensvermittler. Ich wünsche mir mehr Motivation und Mitgefühl seitens der Lehrer.

Was mir zu Hause geholfen hat:

Die Unterstützung von meiner Mama bei den Hausaufgaben. Die finanzielle Unterstützung von Oma für meine Nachhilfe, weil das bei uns einfach nicht drin war. Am Wichtigsten aber waren die moralische Unterstützung und die Aufmunterungsreden meiner Mama, auch wenn es mal schlecht lief. Meine Mutter hat kaum geschimpft, wenn es schlechte Noten gab.

Und hier der „Kleine“, 12 Jahre alt, gerade Grundschule beendet:

Was ich an der Schule hasse:

Die meisten Lehrer denken, wir müssen sofort alles verstehen und sie gehen kaum auf uns ein. Sie fragen nicht, ob wir verstanden haben und ziehen den Stoff einfach durch.

Kunst, Sport und Musik zu benoten finde ich nicht gut. Das sind Fächer, die kann man nämlich überhaupt nicht benoten.
Und wozu braucht man überhaupt Geräteturnen? Wo klettere ich später an einer Stange hoch oder wo brauche ich eine Rolle am Stufenbarren? Bewegung ist wichtig und macht mir auch Spaß, mehr Spiele im Sportunterricht wären schön.

Die Pausen sind zu kurz und der Unterricht fängt viel zu früh an. Meine Hausaufgaben sind manchmal zu schwer und fressen zu viel Zeit.
Vieles was ich lerne, brauche ich im späteren Leben ganz bestimmt nicht. Wozu muss ich wissen, wie viele Mägen eine Kuh hat? (Edit der Mama: Nun gut, hier denke ich etwas anders und finde das doch wichtig. :))
Nicht alle Kinder werden gleichbehandelt, die Lehrer haben ihre Lieblinge. Auch bevorzugt die Schule die Mädchen im Sport.

Warum müssen Jungs andere Normen erfüllen? Es kommt doch eher darauf an, was die einzelne Person kann und nicht auf das Geschlecht. Darauf sollte viel mehr Wert gelegt werden!

Was mir bei den Lehrern fehlt und was ich mir wünsche:

Mehr Motivation! Ich wünsche mir mehr: „Das hast du gut gemacht.“ Ich wünsche mir, dass die Lehrer nicht gleich ausflippen, wenn man mal einen Spaß in der Unterrichtsstunde macht. Lehrer sollten nachfragen, warum ich die Hausaufgaben nicht erledigt habe und nicht gleich schimpfen. Und ich wünsche mir, dass vergessene Hausaufgaben nicht zu schlechten Noten führen.
Ich möchte mich nicht mehr schämen, wenn ich im Unterricht nicht mitkomme und ich möchte nachfragen können. Dadurch würde ich viel besser in der Schule werden. Überhaupt möchte ich einfach nettere Lehrer! Lehrer, die mir mehr zuhören und weniger meckern.

Welche Fächer würde ich mir wünschen, was könnte verbessert werden?

Mehr mit Computern, hier ist die Schule ziemlich altmodisch. Warum haben wir überhaupt nicht so viele PCs in der Schule? Ein Laptop für den Unterricht wäre ziemlich cool. Dann müsste ich auch nicht mehr so viele Bücher schleppen. Das geht auf den Rücken.
Auf jeden Fall brauchen wir besseres Essen in der Schule und keines, was nach Plastik und Chemie schmeckt.

Es wäre schön, wenn sich die Kinder untereinander besser verstehen, dann geht man lieber zur Schule. Mir würden auch kleinere Pausen im Unterricht gut tun, dann könnte ich mich besser konzentrieren.

Was mir zu Hause hilft:
Es gibt keinen Stress wenn ich schlechte Zensuren nach Hause bringe. Hilfe bei den Hausaufgaben ist mir sehr wichtig, auch von meinem großen Bruder. Meine Mutter ist nämlich nicht so gut in Mathe. Ich finde es schön, dass meine Mutter zuhört, wenn ich von der Schule erzähle und immer einen Rat hat.

Und weil ich im nächsten Schuljahr auf die Sekundarschule wechseln werde und leider nicht auf meine Wunschschule kann: Warum wird in den Schulen nach Notendurchschnitt ausgewählt?“

Das war die Sicht meiner Kinder.
Fazit: Für mehr individuelle Motivation und Mitgefühl seitens der Lehrer, weniger Rotstift und kleinere Pausen auch im Unterricht. Mehr Pädagogik, Menschlichkeit und weniger steife Wissensvermittlung wären ein guter Anfang! Und vor allem wie wir Eltern uns einbringen und die Kinder unterstützen, ist wichtig und wertvoll. Jedes „Ich bin stolz auf dich!“ stärkt ein Kind. 

Mit unserem Beitrag bewerben wir uns für den scoyo ELTERN! Blog Award 2018. Daumen drücken wäre super. Vielen Dank!

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