Laufen mit dem Trauma – Laufcoach im Ohr

„Ich gehe jetzt mal laufen.“ Nach über einem Jahr wollte ich es nun wieder wissen. Mein Trauma, der Drang dazu vor dem seelischen Schmerz wegzulaufen, trieb mich dazu die Laufschuhe anzuziehen und ab ging die Post.
Raus, Kopfhörer auf, Musik auf laut und los. Schmerzen ignoriert, körperliche Grenzen ignoriert, mich mehrfach dabei übergeben. Ergebnis nach ein paar Tagen? Knie geschwollen, wie ein Luftballon. Frust, weil es mir nicht half. Körperlich fühlte ich mich oft schlechter, als besser.

Warum ich nun trotzdem fast jeden Morgen meine Laufklamotten anziehe, aus dem Haus gehe und laufe? Das habe ich meinem Laufcoach zu verdanken, der mir einen ganzheitlichen Ansatz zum Laufen vermittelt hat. Jemand, der mich motiviert und den ich die ganze Zeit dabei habe. Jemand, der mir erklärt: Es ist nicht wichtig, wie viele Kilometer ich in welcher Zeit absolviere. Mein eigenes Tempo finden und mich gut dabei fühlen.

„You’ve already done the hard part. You are here, you are running with us.“

„Der schwere Teil ist erledigt, du bist hier und läufst mit uns.“
Richtig, ich laufe nicht mit einem Coach, sondern gleich mit zwei. So wie Millionen andere Menschen auch. Laufcoach im Ohr, meine Meditationsapp macht es möglich.

Die App hat Laufsequenzen mit Coach Bennett von Nike und dem Gründer der Meditationsapp. Wenn der Coach schon am Anfang sagt: „Danke, dass du hier bist!“ Da läuft es sich gleich viel einfacher! Das ist der Start in einen gesunden Lauf, einen für Körper und Geist.
Ein Coach, der mir sagt: Langsam beginnen, vielleicht zu langsam. Es soll sich gut anfühlen. Und es fühlt sich gut an! Die ganze Zeit diese Stimmen im Ohr und die Motivation dahinter. Die Motivation meinem Körper etwas Gutes zu tun und damit meiner Seele. Hinterher nicht völlig ausgepowert und mit schlimmen Schmerzen in der Ecke liegen und das Laufen zu verteufeln. Mich auf den nächsten Lauf freuen und das gute Gefühl, was ich dabei habe. Laufen und Meditation verbinden können.

Ich laufe nicht mehr gegen den seelischen Schmerz, nicht mehr vor dem Schmerz weg. Ich laufe durch ihn. Laufen hilft mir, Dissoziationen zu verhindern. Beim Laufen renne ich nicht mehr vor mir selbst weg. Laufen hilft mir, Selbstmitgefühl zu entwickeln und achtsamer zu werden. Laufen hat mir dabei geholfen, ungesunde Mechanismen wie die Bewältigung von Trauma mit Alkohol zu reduzieren. Wer am Abend trinkt, kann am Morgen nicht laufen. Selbstfürsorge!

Wenn ich jetzt morgens die Laufschuhe schnüre, mich auf den Weg mache, weiß ich: Ein Fuß vor den anderen, in deinem Tempo, weiter und weiter ist etwas sehr Beruhigendes. Es hilft mir, seelische Schmerzen zuzulassen und mit ihnen umzugehen. Während ich laufe, kommen mir oft die Tränen. Mittlerweile kommt auch die Akzeptanz: Es ist ok!

Laufen ist Teil meiner Heilung geworden. Der Weg ist lang und schwer. Ich weiß nicht, wohin ich als Nächstes laufe aber eins weiß ich: Nicht mehr vor dem Schmerz davon und in ein achtsameres Leben.

PS: Das „Thank you to the runner“ am Ende der Session vom Laufcoach und die Aussage, dass man nach jedem Lauf eine bessere Version seiner selbst ist, macht es noch wertvoller. Diese warmen, freundlichen Worte sind wie Balsam für meine traumatisierte Seele.

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