Mitgefühl – Auch wenn es donnert, nicht nur wenn die Sonne scheint

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Wie oft höre ich in meiner Meditationsapp das Wort „Mitgefühl“ und habe immer genickt. Wie oft habe ich nie darüber nachgedacht und auf einmal tue ich es doch.
Und nun mal Zeit für etwas Ehrlichkeit und Reflexion:
Mitgefühl mit einem Menschen fühlen, sich in jemanden hinein versetzen. Oft ist es so, je mehr Liebe wir für einen Menschen in unserem Herzen haben, desto größer unser Mitgefühl – BIS – ja bis diese Person plötzlich einen Fehler macht, wir uns streiten, bis jemand etwas sagt, was uns gegen den Strich geht oder uns jemand verletzt. Und dann ist da plötzlich Ende mit Mitgefühl, es existiert nicht mehr.

Ich schreibe hier nicht von, alle sollten die andere Wange hinhalten und jedem der sie verletzt oder beleidigt einen Keks anbieten und sofort zusammen „Kumbaya“ anstimmen. Auch verärgert sein, enttäuscht sein ist menschlich. Aber Hand aufs Herz, wir erwarten oder erhoffen uns für alles und jedes eine ernst gemeinte Entschuldigung. Aber wann sind wir bereit mal hinter die Fehler der anderen Menschen zu sehen?Zu hinterfragen: Warum hat dieser Mensch dies oder das getan? Das passiert leider viel zu selten. Das erfordert Mitgefühl in dieser Situation. Jeder möchte gern, dass andere ihre Fehler zugeben und sehen, sie haben uns verletzt. Jeder soll doch aus seinen Fehlern lernen, wir alle wollen heilen. Nur wie soll das ohne Mitgefühl funktionieren?

Wer weiß schon, welchen Ärger jemand mit sich trägt, welche Gedanken jemanden quälen, was gerade der Auslöser ist für ein böses Wort oder eine Verletzung. Es nicht zu hinterfragen, hilft niemandem. Viel zu oft bewerten wir und verurteilen. Das hat nichts mit Mitgefühl zu tun.
Wie oft sagen wir Dinge, tun wir Dinge, die wir bereuen und wünschen uns, dass der andere / die anderen uns dennoch verstehen? Wie oft verstehen wir selbst nicht, oder kritisieren sofort?

Mitgefühl und Verständnis helfen anderen Menschen zu wachsen und sich zu verändern, helfen uns selbst zu wachsen und uns zu verändern. Mitgefühl und die Fähigkeit zu verzeihen fördern die Möglichkeit, dass sich Menschen wirklich öffnen und verletzlich sein können. Diese Verletzlichkeit, in dem Bewusstsein, dass Fehler zum Leben gehören, macht bedeutungsvolle und wertvolle Verbindungen zwischen Menschen möglich. Mitgefühl zeigen, vertieft Vertrauen. 

PS: Ich spreche hier nicht nur von Fehlern und Verletzungen in Familie, Freundschaft oder Partnerschaft. Das fängt schon bei Kollegen an oder in den Öffis, beim Einkaufen. Überall eben wo Menschen sich begegnen. Kleinigkeiten….da fängt es an.

  1. Du sagst da was sehr Wahres.

    Ich glaube, damit ich wirkliches Mitgefühl für jemanden haben kann, der irgendwie blöd zu mir ist, benötige ich schon irgendwie einen freundlichen und ehrlichen Dialog dazu, warum das für mich blöd war und warum die andere Person das Bedürfnis hatte, so zu handeln – und im Idealfall, wie man in Zukunft eine vergleichbare Situation vermeiden kann.
    Ohne diesen Dialog oder gar ohne die Bereitschaft zu diesem Dialog kann ich nur versuchen zu interpretieren. Und weil ich dann nicht weiß, ob diese Interpretation überhaupt richtig ist, fehlt mir auch irgendwo das ehrliche Mitgefühl. Und ich bin mir auch nicht sicher, ob ich es dann auch haben muss/sollte…

    Aber wenn der Dialog stattfindet, ist Mitgefühl auf jeden Fall in beiden Richtungen wichtig.

    Alles Liebe 🙂

    • Danke. Ja, Bereitschaft gehört dazu und zwar von beiden Menschen. Dieser Artikel ist auch von beiden Seiten geschrieben. Jeder von uns stand schon auf der einen oder anderen Seite. Das ist eben menschlich! Wenn wir verletzt werden, vergessen wir das ganz schnell wieder. Nur mit dieser Bereitschaft, Mitgefühl und Verständnis kann man wirklich aufeinander zugehen. Mir geht es aber auch schon um kleine Dinge wie: Jemand schaut mich „grimmig“ an, ich kann ihn anlächeln. Wer weiß, warum er so schaut? Vielleicht ist der Mensch traurig, hatte nen miesen Tag etc. Da fängt Mitgefühl an. Dir auch alles Liebe. 🙂

  2. Pingback: Irgendwie sucht der Verstand immer einen Schuldigen - raus aus der Aggressionsfalle!

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