Sich selbst verzeihen – Selbstmitgefühl, Akzeptanz und Veränderung

lina-trochez-377674-unsplash

Verzeihen und vergeben – den anderen – ist für mich schon ein Wert in meinem Leben.
Fehler und Verletzungen passieren, Enttäuschungen bleiben nicht aus. Absichtlich oder unabsichtlich: Niemand ist fehlerfrei und jeder Mensch hat schon jemanden verletzt. Jeder hat Dinge getan, die er bereut und rückgängig machen möchte. Und mit „jeder“ meine ich natürlich auch mich selbst.

Je näher mir der Mensch steht, der mich verletzt hat, desto eher kann ich verzeihen. Ich sehe den Menschen als Ganzes und nicht als den Fehler. Ich weiß ja, warum mancher Mensch so reagiert, kenne das Muster, aus dem die Verletzung entsteht. Der Fehler und die Verletzung machen aber den Menschen für mich nicht aus! Dieser Mensch ist so viel mehr!
Das heißt nicht, dass ich nicht wütend und traurig bin. Es bedeutet nicht, es tut nicht weh. Ich entscheide mich aber bewusst dafür, dem anderen zu verzeihen.

Nur einem Menschen kann ich nie verzeihen, einem Menschen schiebe ich immer die Schuld zu, vergebe nie, versöhne mich nicht und hadere. Ich hasse diesen Menschen für seine Fehler und die Verletzungen, die er anderen zufügt. Ich will, dass dieser Mensch perfekt ist und keine Fehler macht. Gegenüber diesem Menschen bin ich hart und unnachgiebig, für ihn habe ich nicht ein gutes Wort übrig: Dieser Mensch bin ich selbst. 

Aber hat es mich weitergebracht? Nein! Dieser Selbsthass und die Unfähigkeit mir selbst zu verzeihen haben nur eins bewirkt: Stillstand und Depression. Verharren im Schuldgefühl und in der Trauer, verharren im Fehler und in der Verletzung. Unfähig zu sein zu reflektieren und mich zu verändern. Mich selbst dabei immer mehr verletzen, das war das Resultat.
Wie viel Kraft und Energie habe ich verschwendet, mich schuldig zu fühlen und im Selbsthass zu bleiben? Zeit endlich achtsam zu sein:

Der Mensch, dem ich vor allem selbst verzeihen muss, bin ich doch selbst. Mitgefühl und Selbstliebe. Mir verzeihen, um mich zu entwickeln und zu verändern. Etwas im Leben bewegen, setzt voraus nicht mehr in der Vergangenheit stecken zu bleiben. Ich kann meine Fehler bedauern, ich kann um Verluste trauern. Ich kann wütend auf mich selbst sein UND mit Mitgefühl auf mich sehen: Du bist nicht nur dieser Fehler, du bist nicht die Verletzung, die du jemandem zufügst. Sorge dafür, dass das nicht mehr passiert. Verzeihe dir selbst!

Ich kann nicht aus meiner Haut, ich bin dieser Mensch. Ich kann mich aber verändern und nicht im Stillstand und der Schuld verharren. Akzeptieren, dass ich Fehler mache und genau drauf schauen. Zweifeln, mich selbst zu bestrafen bringt mich nicht weiter.
Verantwortung übernehmen und darauf achten, den Fehler nicht zu wiederholen.

Mir endlich selbst verzeihen, so wie ich anderen Menschen verzeihe. Reue nutzen für Veränderungen: Akzeptieren, ich habe Fehler gemacht und ich habe Menschen verletzt, ich habe viele falsche Entscheidungen getroffen. Aus den Umständen heraus, aus meiner Prägung heraus, aus meinen Mustern heraus. Aber ich BIN nicht diese Fehler, diese Verletzungen, ich bin nicht die falschen Entscheidungen. Das ist nicht meine Essenz, nicht das, was mich ausmacht.

Verzeihen, Selbstmitgefühl, Reflexion, Verantwortung übernehmen, Konsequenzen annehmen. Akzeptanz und Veränderung. Der achtsame Weg. 

%d Bloggern gefällt das: