Meditation – Achtsamkeit und Anker

Bis vor einiger Zeit dachte ich immer noch: Bei der Meditation geht es vorrangig darum, den Kopf leer zu bekommen und komplett nichts mehr wahrzunehmen.
Was soll ich sagen: Falsch gedacht. Mich still hinzusetzen, mit all meinen Hummeln im Hintern und nicht mehr zu denken: Funktioniert nicht und vor allem, darum geht es nicht. Es geht um Achtsamkeit und was sich dadurch für mich verändert.
Wie viel unnötige Kraft und Energie habe ich investiert um während der Meditation leer zu sein, keine Gedanken mehr zu haben. Nur das Gehirn hört einfach nicht auf zu denken.

Dabei ist es eigentlich so simpel. Und selbst ICH habe es geschafft. Meine Meditationsapp hat jetzt über 1000 Minuten auf der Uhr. Mehr als 1000 Minuten habe ich in den letzten Wochen meditiert. Morgens, mittags, am Abend und oft zwischendurch. Ich werde damit nicht aufhören. Meditation ist ein wichtiger Bestandteil und vor allem ein sehr wertvoller Anker in meinem Leben geworden.
Der Beginn war holprig: Tief durch die Nase einatmen, durch den Mund wieder aus. Endete bei mir noch jedes Mal in Hyperventilation. Ich dachte, ich packe das nie!

Was ist Meditation für mich?


Meditation ist für mich wie: Ich sitze auf einem Dach und lasse die Beine baumeln. Ganz weit unten sehe ich die klitzekleinen Autos vorbeifahren. Diese Autos sind meine Gedanken und meine Gefühle. Ich sehe sie, ich bewerte sie nicht. Ich lasse sie fahren und bleibe bei mir und der Atmung. Wenn ich traurig werde, werde ich traurig, wenn der Schmerz kommt, dann kommt er. Aber ich lasse mich da nicht reinfallen. Ich nehme die Gefühle und Gedanken wahr und mehr nicht. Wie ein sanftes Anschubsen, weiter schicken und mich wieder auf die Atmung konzentrieren.
Nicht verdrängen, nicht ablenken, nicht ignorieren. Nicht versuchen sie mit Macht loszuwerden oder sie zu zerdenken. Wie oft macht man das? Gefühle und Gedanken kommen und man denkt darüber nach: Gedankenspirale. Über das Denken, denken…
Oder man lenkt sich ab, trinkt Alkohol, verdrängt, versucht einfach sich nicht darauf einzulassen und an etwas anderes zu denken, die Gefühle wegzuschieben.

Meditation ist: Einfach still sitzen oder liegen, die Gedanken und Gefühle zulassen. Gerade wenn man traurig ist, mit sich hadert oder unangenehme Dinge im Leben passieren, ist das verdammt schwer und erfordert viel Mut.

Die Gedanken und Gefühle sind frei, sie annehmen für einen kurzen Moment aber mich nicht davon überwältigen lassen. Die Energie und Aufmerksamkeit ruhig und achtsam wieder zurück auf die Atmung und somit innere Ruhe zu lenken.

Der Kopf soll nicht komplett leer sein, die Kraft und Energie bekomme ich von der Achtsamkeit und vom Loslassen können. Die Gedanken wandern auch während der Meditation einfach weg, es annehmen und sanft wieder in die Atmung zu gehen, weiter und immer weiter. Und irgendwann sind 30 Minuten um und man merkt es nicht mal. Ruhe im Kopf und in der Seele, Erholung und Klarheit.

Nach 17 Stunden Meditation ist nun auch passiert, dass ich genau in mich rein schauen kann, mich ansehen kann und mir ist klar: Meditation hilft mir in meinem Veränderungsprozess. Ich kann Auslöser sehen und Reaktionen, ich kann meine alten Muster bewusster betrachten, achtsamer mit mir umgehen, ich habe einiges im Leben verändert und meinen Fokus darauf. Ich kann bewusstere und achtsamere Entscheidungen treffen.
Meditation hat mir geholfen, den Samen der Veränderung keimen zu lassen. Mit jeder Minute, die ich achtsam meditiere, wächst und gedeiht diese kleine Pflanze.
Ich kann bestimmte Dinge nicht mehr ändern, sie sind geschehen. Ich kann aber mich verändern und wie ich mit Dingen umgehe.

Meine App hat auch eine Sequenz fürs Laufen. Damit habe ich nun auch wieder angefangen. Zum ersten Mal denke ich nicht permanent: ‚Wann bin ich endlich da? Mein Knie tut weh, die Lunge fliegt gleich raus!‘ Zum ersten Mal genieße ich das Laufen, fokussiere und setze einen Fuß vor den anderen, wieder und wieder und stelle irgendwann erstaunt fest: Du bist ja angekommen!
Meditation ändert die Perspektive auf Dinge und das kann viel bewegen, nicht nur beim Laufen.
In diesem Sinne: Namaste und nehmt euch die Zeit zum Meditieren, es lohnt sich!

    • Gerne: headspace nutze ich. Ist allerdings in englischer Sprache. Die Stimme ist sehr angenehm…und für jede Gelegenheit irgendwas dabei. Auch kurze Meditationen. Ich brauche das noch, irgendwann vielleicht nicht mehr.

      • Ah ja, da habe ich auch schon mal reingeschaut, ich fand das auch sehr angenehm. Man bekommt da am Anfang einen gewissen kostenlosen Zugriff, ich hab das gemacht, bis ich zahlen musste. Vielleicht sollte ich mir das noch mal anschauen. Danke!

      • Ich habe es mir auch erst kostenlos angeschaut und dann von jemandem für ein Jahr geschenkt bekommen. Man bekommt aber sehr viel für das Geld. Und nein, ich bekomme nichts für Werbung. Soll auch keine sein…

  1. Ich finde deine Beschreibung mal wieder wunderbar klar und schön geschrieben! Die Art und Weise, wie du Dinge auf den Punkt bringst gefällt mir sehr!!

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